Verwaltungsgericht Regensburg Urteil, 24. März 2015 - RO 4 K 13.2151

Gericht
Tenor
I.
Die Klage wird abgewiesen.
II.
Der Kläger hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.
III.
Die Kostenentscheidung ist vorläufig vollstreckbar.
Der Kläger kann die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe des beizutreibenden Betrages abwenden, wenn nicht der Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.
Tatbestand
Der Kläger begehrt die Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm.
1. Mit Schreiben an das Bayerische Landeskriminalamt vom
Mit Beschluss vom 12.3.2013
Das Landgericht ... verurteilte den Kläger mit Urteil vom 24.10.2013
2. Mit Schreiben vom
Der Kläger beantragt:
1. Der Beklagte wird verpflichtet, den Kläger ab sofort in ein Zeugenschutzprogramm der Bayerischen Polizei aufzunehmen.
2. Der Beklagte wird verurteilt, den Kläger aufgrund vertraglicher Vereinbarungen in ein „Zeugenschutzprogramm“ aufzunehmen, konkret, ihm eine neue Identität zu verschaffen, ihn zur Verbüßung seiner Maßregel/Strafe in ein Bundesland außerhalb Bayerns und ihn nach Abschluss seiner Maßregel/Strafe ins Ausland zu verbringen.
3. Das Bayerische Landeskriminalamt trug mit Schreiben vom
4. Mit Beschluss vom 13.12.2013 verwies das Verwaltungsgericht ... die Rechtsstreitigkeiten an das Verwaltungsgericht Regensburg.
5. Der Beklagte beantragt,
die Klage abzuweisen.
Im Verfahren zur Gewährung einstweiligen Rechtsschutzes hat sich der Beklagte wie folgt geäußert, die KPI ... führe seit
6. Mit Beschluss vom 13.1.2014 hat das Verwaltungsgericht Regensburg den Antrag des Klägers auf Gewährung einstweiligen Rechtsschutzes abgelehnt, da es bei einer Stattgabe zu einer Vorwegnahme der Hauptsache gekommen wäre, für die hier keine Rechtfertigungsgründe ersichtlich seien.
Mit Beschluss vom 7.4.2014
Im ...magazin ... Nr. ... 2014 erschien ein Artikel „...- F... wurde verraten“. In diesem Artikel wurde über den Fall des Klägers, auch darüber dass er versucht eine Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm gerichtlich zu erreichen, berichtet, wobei in dem Artikel auch ein Bild des Klägers veröffentlicht wurde. Unter dem Bild befindet sich als Hinweis auf die Quelle „privat“.
7. Der Kläger hat sich gegenüber dem Gericht u. a. dahingehend geäußert, dass es für ihn keine Rolle spiele, ob die Öffentlichkeit etwas von diesem Verfahren mitbekomme oder nicht (Schreiben vom
Der Klägerbevollmächtigte trug in der Folge u. a. folgendes vor, der Kläger habe stets den Weg gewählt, sich zu offenbaren, da er sich zum einen schützen wollte und zum anderen bemerkte, dass er vom LKA sprichwörtlich „fallengelassen wurde“, als dieses bemerkte, dass er bei den ... enttarnt worden war und damit sprichwörtlich für die Behörde nutzlos geworden war. Der Kläger könne nicht beeinflussen, ob und inwieweit er von der Staatsanwaltschaft ... als Zeuge geführt werde. Sollte die Aufnahme des Klägers in ein Zeugenschutzprogramm nach ZSHG allein an der Formalie scheitern, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine Zeugeneinvernahmen des Klägers vorliegen, sei darauf abzustellen, dass der Kläger unstreitig V-Mann für das LKA Bayern gewesen sei. Er sei diesbezüglich bezahlt worden und habe einen Vertrag unterschrieben. Da sowohl dem Kläger, als auch dem LKA bewusst gewesen sei, dass mit der Infiltrierung der ... ein hohes individuelles persönliches Risiko des Klägers für seine persönliche Unversehrtheit verbunden gewesen sei, sei dem Kläger bei entsprechender Gelegenheit von seinem V-Mann Führer Herr K. zugesichert worden, dass für den Fall, das etwas schief gehe, er sofort das große Zeugenschutzprogramm bekomme. Nur unter dieser Voraussetzung sei der Kläger bereit gewesen, seine V-Mann Tätigkeit über Jahre hinweg für das LKA zu erbringen. Dies stelle parallel zu dem ZSHG eine andere Anspruchsgrundlage zu dem Klageantrag dar. Konkret sei nie darüber gesprochen worden, wie ein großes Zeugenschutzprogramm aussehe, klar sei gewesen, dass der Kläger aus Deutschland herausgebracht werde und mit einer neuen Identität versehen werde. Nichts anderes verlange er im Klagewege.
Am
Die Staatsanwaltschaft ... teilte dem Verwaltungsgericht Regensburg unter dem 4.3.2015 mit, dass bei der Staatsanwaltschaft ... kein Verfahren anhängig ist, bei dem- zumindest nach derzeitiger Einschätzung- der Kläger als Zeuge benötigt werde.
In der mündlichen Verhandlung am
Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf die Gerichtsakte Bezug genommen. Die Gerichtsakte des Verfahrens RO 4 E 13.2150 wurde zum Verfahren beigezogen.
Gründe
Die zulässige Klage ist unbegründet. Der Kläger hat keinen Anspruch darauf, dass der Beklagte verpflichtet wird, ihn in ein Zeugenschutzprogramm der Bayerischen Polizei aufzunehmen (§ 113 Abs. 5 Satz 1 Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO)).
1. Der Kläger hat keinen Anspruch auf Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm nach § 1 Abs. 1 des Gesetzes zur Harmonisierung des Schutzes gefährdeter Zeugen (Zeugenschutzharmonisierungsgesetz - ZSHG), da die Voraussetzungen dieser Vorschrift nicht erfüllt sind. Gemäß § 1 Abs. 1 ZSHG kann eine Person, ohne deren Angaben in einem Strafverfahren die Erforschung des Sachverhalts oder die Ermittlung des Aufenthaltsorts des Beschuldigten aussichtslos oder wesentlich erschwert wäre, mit ihrem Einverständnis nach Maßgabe dieses Gesetzes geschützt werden, wenn sie aufgrund ihrer Aussagebereitschaft einer Gefährdung von Leib, Leben, Gesundheit, Freiheit oder wesentlicher Vermögenswerte ausgesetzt ist und sich für Zeugenschutzmaßnahmen eignet. Das Gericht konnte dabei offenlassen, ob der Kläger überhaupt als Zeuge im Sinne dieser Vorschrift angesehen werden kann. Dies wurde vom Beklagten unter Bezugnahme auf die Einschätzung der zuständigen Staatsanwaltschaft verneint. Ferner brauchte nicht entschieden zu werden, ob der Kläger konkret gefährdet ist oder ob derzeit nur von einer abstrakten Gefährdung seiner Person auszugehen ist. Auch der Zusammenhang zwischen der Aussagebereitschaft und der möglichen Gefährdung des Klägers konnte dahingestellt bleiben. Hinzuweisen ist insoweit darauf, dass aus Sicht des Gerichts zumindest von einer abstrakten Gefährdung des Klägers auszugehen ist. Wobei viel dafür spricht, dass diese nicht auf seine Aussagebereitschaft, sondern darauf zurückzuführen ist, dass eine Enttarnung der V-Mann-Eigenschaft des Klägers erfolgt ist. Eine weitere Aufklärung des Sachverhalts insoweit, insbesondere eine Beiziehung der Strafakten, war allerdings nicht erforderlich, da sich der Kläger nicht für die Durchführung von Zeugenschutzmaßnahmen eignet. Ausweislich der Gesetzesbegründung zum ZSHG (BT-Drs.. 14/6279 (neu)) kann es an der Eignung etwa dann fehlen, wenn die zu schützende Person falsche Angaben macht, Zusagen nicht einhält oder hierzu nicht die Fähigkeit besitzt, zur Geheimhaltung nicht bereit ist oder Straftaten begeht. Nach Einschätzung des Gerichts zeigt das bisherige Verhalten des Klägers, dass er den Anforderungen, die an die Eignung zu stellen sind, nicht genügt. Der Kläger hat zur Veröffentlichung seiner „Lebensgeschichte“ im ...magazin Nr. ... am ... 2014 beigetragen. Er hat insbesondere auch private Fotos zur Verfügung gestellt, die ebenfalls mitveröffentlicht wurden. Auf einem der Fotos ist der Kläger selbst zu sehen. In dem Artikel wurde auch auf das hier streitgegenständliche Verfahren „Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm“ eingegangen. Zwar wurde der Artikel im Zeitmagazin unter der Überschrift „...- F... fühlt sich verraten“ veröffentlicht. Der Kläger hat mittlerweile den Namen „...“ angenommen“. Dies ändert jedoch nichts daran, dass dieser Artikel dem Kläger auch nach der Namensänderung zugeordnet werden kann. Bei einer Recherche mit der Internetsuchmaschine ... unter den Schlagworten „...“ findet man den genannten Artikel. Der Kläger hat damit aus Sicht des Gerichts in der Öffentlichkeit eine Präsenz erreicht, die ihn für eine Zeugenschutzmaßnahme ungeeignet erscheinen lässt, zumal da auch sein Bild in den Medien präsent war und über das Internet nach wie vor ist. Neben dieser Medienpräsenz und der Tatsache, dass der Kläger öffentlich kundgetan hat, dass er in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden möchte, spricht auch das Verhalten des Klägers im gerichtlichen Verfahren gegen seine Eignung für eine Zeugenschutzmaßnahme. So hat der Kläger ein an den zuständigen Staatsanwalt adressiertes Schreiben auch dem Gericht zur Kenntnis übersandt. Das Schreiben ist hier am 22.1.2015 eingegangen. Aus dem dem Schreiben beigefügten Verteiler ist ersichtlich, dass der Kläger dieses Schreiben auch der Presse zugeleitet hat. Ferner hat der Kläger gegenüber dem Gericht erklärt (Schreiben vom 18.2.2015), dass er die Bedenken des Gerichts, dass die Öffentlichkeit von der streitgegenständlichen Klage erfahren könnte, nicht nachvollziehen kann. Für ihn spiele es keine Rolle, ob die Öffentlichkeit von dem Verfahren etwas mitbekommt oder nicht. Auch durch dieses Verhalten zeigt der Kläger, dass er sich nicht für die Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm eignet. Sinn eines Zeugenschutzprogramms ist es, eine Person, die aufgrund ihrer Aussagebereitschaft konkret gefährdet ist, zu schützen. Dieses Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn auch die zu schützende Person an dem Erfolg der Schutzmaßnahmen mitwirkt. Jemand der die Öffentlichkeit sucht, kann schwerlich geschützt werden. Auch das Ausstellen einer Tarnidentität würde nämlich nichts daran ändern, dass das Bild des Klägers bekannt ist und damit immer eine Identifizierung seiner Person möglich ist. Dies umso mehr, weil der Kläger ja auch gerade öffentlich gemacht hat, dass er in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden möchte. Der Personenkreis, der ihm seinen eigenen Angaben zufolge, schaden will, hat daher Kenntnis von der hier anhängigen Streitsache, kann auch deren Ausgang verfolgen und dann die entsprechenden Schlüsse ziehen.
2. Des Weiteren kann der Kläger den von ihm geltend gemachten Anspruch, auf Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm, auch nicht auf polizeirechtliche Vorschriften stützen. Maßnahmen des polizeilichen Zeugenschutzes stützen sich auf das Gefahrenabwehrrecht der Länder, insbesondere auf die Generalklauseln der Polizeigesetze (vgl. Gesetzesbegründung zum ZSHG (BT-Drs.. 14/6279 (neu)). Gemäß Art 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Bayerisches Polizeiaufgabengesetz (PAG) kann die Polizei die notwendigen Maßnahmen treffen, um Gefahren abzuwehren oder Zustände zu beseitigen, die Leben, Gesundheit oder die Freiheit der Person oder die Sachen, deren Erhaltung im öffentlichen Interesse geboten erscheint, bedrohen oder verletzen. Festzuhalten ist, dass im Regelfall kein Anspruch auf polizeiliches Einschreiten besteht, da dieses grundsätzlich im Ermessen der Polizei liegt. Eine Ausnahme ergibt sich nur dann, wenn der Ermessensspielraum der Polizei auf Null reduziert ist. Dies ist dann der Fall, wenn es nur noch eine einzige ermessensfehlerfreie Entscheidung der Polizei gibt, nämlich die zum Einschreiten (vgl. hierzu Schmidbauer/Steiner Bayerisches Polizeiaufgabengesetz Kommentar 4. Auflage, Art 11 Rd.Nr. 126 ff.). Es war hier nicht zu entscheiden, ob tatsächlich eine Ermessenreduzierung auf Null vorliegt. Der Kläger hat jedenfalls aus Art 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 PAG keinen Anspruch auf Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm. Wie bereits unter 1 ausgeführt wurde, eignet sich der Kläger aufgrund seines bisherigen Verhaltens nicht für die Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm. Dabei sind aus Sicht des Gerichts bei der Prüfung der polizeirechtlichen Generalklausel dieselben Maßstäbe an die Eignung anzulegen, wie im Rahmen des Zeugenschutzharmonisierungsgesetzes. Die Aufnahme in ein „Zeugenschutzprogramm“ würde hier daher keine geeignete Maßnahme darstellen. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass bereits derzeit seitens des Beklagten Maßnahmen ergriffen werden, um den Kläger zu schützen. Dies wurde in den beiden Erörterungsterminen umfänglich dargestellt. Ein Anspruch des Klägers auf polizeiliche Maßnahmen, die über die bisherigen hinausgehen, ist zum derzeitigen Zeitpunkt nicht ersichtlich. Hinzuweisen ist darauf, dass der Beklagte auch nachvollziehbar dargelegt hat, dass die jeweiligen Schutzmaßnahmen an die Lebenssituation des Klägers angepasst werden.
3. Es ist auch nicht ersichtlich, dass dem Kläger die Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm gemäß Art 38 Abs. 1 Bayerisches Verwaltungsverfahrensgesetz (BayVwVfG) zugesichert worden wäre. Hierfür wäre eine schriftliche Zusicherung erforderlich. Angebliche Zusagen gegenüber dem Kläger sollen seinen eigenen Angaben zufolge aber nur mündlich erfolgt sein.
4. Soweit der Kläger seinen Anspruch auf nachvertragliche Pflichten des Beklagten aus der V-Mann-Tätigkeit des Klägers stützt, war dies im Rahmen des Verpflichtungsantrags nicht zu prüfen. Diese Ansprüche können nur mit einer Leistungsklage geltend gemacht werden. Insoweit wurde in der mündlichen Verhandlung der Klageantrag zu 2 gestellt. Es lag daher eine objektive Klagehäufung i. S. d. § 44 VwGO vor. Unabhängig vom Klageantrag auch deshalb, weil der für die Entscheidung erhebliche Lebenssachverhalt ein anderer ist als der für den Klageantrag zu 1 heranzuziehende Tatbestand. Die vertraglichen Beziehungen, insbesondere deren Zustandekommen und die Frage, ob Nebenabreden getroffen wurden, sind für den Klageantrag zu 1 nicht entscheidungserheblich. Es handelt sich hier um eine von der vertraglichen Situation losgelöst zu prüfende Frage eines Anspruchs auf sicherheitsrechtliches Einschreiten. Auch aus § 17 Abs. 2 Satz 1 Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) bestand daher keine Verpflichtung im Rahmen der Verpflichtungsklage mögliche vertragliche Leistungsansprüche des Klägers gegen den Beklagten zu prüfen. Der insoweit gestellte Klageantrag 2 wurde daher in der mündlichen Verhandlung abgetrennt und wird als eigenständiges Verfahren unter dem Aktenzeichen RO 4 K 15.459 fortgeführt.
5. Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 1 VwGO.
6. Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit der Kostenentscheidung ergibt sich aus § 167 VwGO, § 708 Nr. 11, § 711 ZPO.

moreResultsText
Annotations
(1) Soweit der Verwaltungsakt rechtswidrig und der Kläger dadurch in seinen Rechten verletzt ist, hebt das Gericht den Verwaltungsakt und den etwaigen Widerspruchsbescheid auf. Ist der Verwaltungsakt schon vollzogen, so kann das Gericht auf Antrag auch aussprechen, daß und wie die Verwaltungsbehörde die Vollziehung rückgängig zu machen hat. Dieser Ausspruch ist nur zulässig, wenn die Behörde dazu in der Lage und diese Frage spruchreif ist. Hat sich der Verwaltungsakt vorher durch Zurücknahme oder anders erledigt, so spricht das Gericht auf Antrag durch Urteil aus, daß der Verwaltungsakt rechtswidrig gewesen ist, wenn der Kläger ein berechtigtes Interesse an dieser Feststellung hat.
(2) Begehrt der Kläger die Änderung eines Verwaltungsakts, der einen Geldbetrag festsetzt oder eine darauf bezogene Feststellung trifft, kann das Gericht den Betrag in anderer Höhe festsetzen oder die Feststellung durch eine andere ersetzen. Erfordert die Ermittlung des festzusetzenden oder festzustellenden Betrags einen nicht unerheblichen Aufwand, kann das Gericht die Änderung des Verwaltungsakts durch Angabe der zu Unrecht berücksichtigten oder nicht berücksichtigten tatsächlichen oder rechtlichen Verhältnisse so bestimmen, daß die Behörde den Betrag auf Grund der Entscheidung errechnen kann. Die Behörde teilt den Beteiligten das Ergebnis der Neuberechnung unverzüglich formlos mit; nach Rechtskraft der Entscheidung ist der Verwaltungsakt mit dem geänderten Inhalt neu bekanntzugeben.
(3) Hält das Gericht eine weitere Sachaufklärung für erforderlich, kann es, ohne in der Sache selbst zu entscheiden, den Verwaltungsakt und den Widerspruchsbescheid aufheben, soweit nach Art oder Umfang die noch erforderlichen Ermittlungen erheblich sind und die Aufhebung auch unter Berücksichtigung der Belange der Beteiligten sachdienlich ist. Auf Antrag kann das Gericht bis zum Erlaß des neuen Verwaltungsakts eine einstweilige Regelung treffen, insbesondere bestimmen, daß Sicherheiten geleistet werden oder ganz oder zum Teil bestehen bleiben und Leistungen zunächst nicht zurückgewährt werden müssen. Der Beschluß kann jederzeit geändert oder aufgehoben werden. Eine Entscheidung nach Satz 1 kann nur binnen sechs Monaten seit Eingang der Akten der Behörde bei Gericht ergehen.
(4) Kann neben der Aufhebung eines Verwaltungsakts eine Leistung verlangt werden, so ist im gleichen Verfahren auch die Verurteilung zur Leistung zulässig.
(5) Soweit die Ablehnung oder Unterlassung des Verwaltungsakts rechtswidrig und der Kläger dadurch in seinen Rechten verletzt ist, spricht das Gericht die Verpflichtung der Verwaltungsbehörde aus, die beantragte Amtshandlung vorzunehmen, wenn die Sache spruchreif ist. Andernfalls spricht es die Verpflichtung aus, den Kläger unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts zu bescheiden.
(1) Eine Person, ohne deren Angaben in einem Strafverfahren die Erforschung des Sachverhalts oder die Ermittlung des Aufenthaltsorts des Beschuldigten aussichtslos oder wesentlich erschwert wäre, kann mit ihrem Einverständnis nach Maßgabe dieses Gesetzes geschützt werden, wenn sie auf Grund ihrer Aussagebereitschaft einer Gefährdung von Leib, Leben, Gesundheit, Freiheit oder wesentlicher Vermögenswerte ausgesetzt ist und sich für Zeugenschutzmaßnahmen eignet.
(2) Mit seinem Einverständnis kann ferner nach Maßgabe dieses Gesetzes geschützt werden, wer Angehöriger (§ 11 Abs. 1 Nr. 1 des Strafgesetzbuches) einer in Absatz 1 genannten Person ist oder ihr sonst nahe steht, auf Grund ihrer Aussagebereitschaft einer Gefährdung von Leib, Leben, Gesundheit, Freiheit oder wesentlicher Vermögenswerte ausgesetzt ist und sich für Zeugenschutzmaßnahmen eignet.
(3) Sofern es für den Zeugenschutz erforderlich ist, können Maßnahmen nach diesem Gesetz auf Angehörige (§ 11 Abs. 1 Nr. 1 des Strafgesetzbuches) einer in Absatz 1 oder 2 genannten Person oder ihr sonst nahe stehende Personen erstreckt werden, wenn diese sich hierfür eignen sowie ihr Einverständnis erklären.
(4) Maßnahmen nach diesem Gesetz können beendet werden, wenn eine der in den Absätzen 1 bis 3 genannten Voraussetzungen nicht vorlag oder nachträglich weggefallen ist. Soweit eine Gefährdung der zu schützenden Person fortbesteht, richten sich die Schutzmaßnahmen nach allgemeinem Gefahrenabwehrrecht. Die Beendigung des Strafverfahrens führt nicht zur Aufhebung der Zeugenschutzmaßnahmen, soweit die Gefährdung fortbesteht.
Mehrere Klagebegehren können vom Kläger in einer Klage zusammen verfolgt werden, wenn sie sich gegen denselben Beklagten richten, im Zusammenhang stehen und dasselbe Gericht zuständig ist.
(1) Der unterliegende Teil trägt die Kosten des Verfahrens.
(2) Die Kosten eines ohne Erfolg eingelegten Rechtsmittels fallen demjenigen zur Last, der das Rechtsmittel eingelegt hat.
(3) Dem Beigeladenen können Kosten nur auferlegt werden, wenn er Anträge gestellt oder Rechtsmittel eingelegt hat; § 155 Abs. 4 bleibt unberührt.
(4) Die Kosten des erfolgreichen Wiederaufnahmeverfahrens können der Staatskasse auferlegt werden, soweit sie nicht durch das Verschulden eines Beteiligten entstanden sind.
(5) Soweit der Antragsteller allein auf Grund von § 80c Absatz 2 unterliegt, fallen die Gerichtskosten dem obsiegenden Teil zur Last. Absatz 3 bleibt unberührt.
(1) Soweit sich aus diesem Gesetz nichts anderes ergibt, gilt für die Vollstreckung das Achte Buch der Zivilprozeßordnung entsprechend. Vollstreckungsgericht ist das Gericht des ersten Rechtszugs.
(2) Urteile auf Anfechtungs- und Verpflichtungsklagen können nur wegen der Kosten für vorläufig vollstreckbar erklärt werden.
Für vorläufig vollstreckbar ohne Sicherheitsleistung sind zu erklären:
- 1.
Urteile, die auf Grund eines Anerkenntnisses oder eines Verzichts ergehen; - 2.
Versäumnisurteile und Urteile nach Lage der Akten gegen die säumige Partei gemäß § 331a; - 3.
Urteile, durch die gemäß § 341 der Einspruch als unzulässig verworfen wird; - 4.
Urteile, die im Urkunden-, Wechsel- oder Scheckprozess erlassen werden; - 5.
Urteile, die ein Vorbehaltsurteil, das im Urkunden-, Wechsel- oder Scheckprozess erlassen wurde, für vorbehaltlos erklären; - 6.
Urteile, durch die Arreste oder einstweilige Verfügungen abgelehnt oder aufgehoben werden; - 7.
Urteile in Streitigkeiten zwischen dem Vermieter und dem Mieter oder Untermieter von Wohnräumen oder anderen Räumen oder zwischen dem Mieter und dem Untermieter solcher Räume wegen Überlassung, Benutzung oder Räumung, wegen Fortsetzung des Mietverhältnisses über Wohnraum auf Grund der §§ 574 bis 574b des Bürgerlichen Gesetzbuchs sowie wegen Zurückhaltung der von dem Mieter oder dem Untermieter in die Mieträume eingebrachten Sachen; - 8.
Urteile, die die Verpflichtung aussprechen, Unterhalt, Renten wegen Entziehung einer Unterhaltsforderung oder Renten wegen einer Verletzung des Körpers oder der Gesundheit zu entrichten, soweit sich die Verpflichtung auf die Zeit nach der Klageerhebung und auf das ihr vorausgehende letzte Vierteljahr bezieht; - 9.
Urteile nach §§ 861, 862 des Bürgerlichen Gesetzbuchs auf Wiedereinräumung des Besitzes oder auf Beseitigung oder Unterlassung einer Besitzstörung; - 10.
Berufungsurteile in vermögensrechtlichen Streitigkeiten. Wird die Berufung durch Urteil oder Beschluss gemäß § 522 Absatz 2 zurückgewiesen, ist auszusprechen, dass das angefochtene Urteil ohne Sicherheitsleistung vorläufig vollstreckbar ist; - 11.
andere Urteile in vermögensrechtlichen Streitigkeiten, wenn der Gegenstand der Verurteilung in der Hauptsache 1.250 Euro nicht übersteigt oder wenn nur die Entscheidung über die Kosten vollstreckbar ist und eine Vollstreckung im Wert von nicht mehr als 1.500 Euro ermöglicht.
In den Fällen des § 708 Nr. 4 bis 11 hat das Gericht auszusprechen, dass der Schuldner die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung oder Hinterlegung abwenden darf, wenn nicht der Gläubiger vor der Vollstreckung Sicherheit leistet. § 709 Satz 2 gilt entsprechend, für den Schuldner jedoch mit der Maßgabe, dass Sicherheit in einem bestimmten Verhältnis zur Höhe des auf Grund des Urteils vollstreckbaren Betrages zu leisten ist. Für den Gläubiger gilt § 710 entsprechend.